Ina Rudolph – die Patchwork-Karriere-Frau mit Flügeln

Ina Rudolph FotoIna Rudolph (46 Jahre) ist Schauspielerin, Autorin und Coach für The Work von Byron Katie. Mit dem Aufbau und Verbreiten dieser Coaching-Arbeit hat sie sich bereits einen Herzenswunsch erfüllt und ist erfolgreich. Sie fühlt sich sehr vom Leben beschenkt und startete deshalb mit ihrem neuen Herzensprojekt bereits 2015: Sie sammelt Gelder für Charity-Projekte, allen voran für die Unterstützung von Flüchtlingen.

Hierzu setzt sie sich durch den Verkauf ihrer Postkarten, durch Lesungen in ihrer Wohnung, durch ganz praktische Hilfe (sie hat eine Flüchtlingsfrau aus Kamerun bei sich aufgenommen) und durch Aktionen ein.

Warum liegt dir die Unterstützung von Menschen in Not so sehr am Herzen?

Ich helfe schon immer gern. Aber eine Frage aus dem Film „Die große Stille“ von Philip Gröning spricht mich in letzter Zeit besonders an. Sie lautet sinngemäß: „Was rühmst du dich der Dinge, als hättest du sie selbst erworben?“

Ich hatte einfach tolle Möglichkeiten. Andere hatten diese nicht. Sie hatten in ihrem Leben Pech. Ich hab mein Business mit The Work ins Rollen gebracht. Die Bücher. Alles läuft. Dann war da Platz. Ich hätte mich jetzt auch um meine Wohnung oder um sonst irgendetwas Persönliches kümmern können. Aber das war gar nicht mehr wichtig.

Ich merkte, ich kann etwas abgeben. Ich hab Kapazitäten. Und ich spürte, wie klein der Dreh der Welt ist. Auch ich hätte ein Flüchtling sein können. Oder meine Tochter. Und dann hätte ich mir gewünscht, dass sich jemand um mich oder um mein Kind kümmert. Da konnte ich nicht anders, als die Flüchtlingsfrau aufzunehmen. Und versuche jetzt, wieder etwas Gerechtigkeit auf dieser Welt herzustellen – mit meinen Möglichkeiten.

Frau sein – was heißt das für dich?

Da resoniert nichts.

(Sie ist lange still. Ich höre das Nichts.)

Ich hab schon immer das Gefühl gehabt, eher androgyn zu sein. Ich frag mich nicht, was Frau sein für mich ist. Ich freu mich, wenn jeder das lebt, was er ist, egal, wie das heißt. Begriffe können einen auch sehr einengen. Nur „Frau sein“ wäre für mich einengend. Ich denke eher „Was ist in mir und was will gelebt werden“? Egal, ob Frau, Mann, Hetero, Trans, lesbisch, bi und so weiter.

Freiheit spüre ich wenn, …

wenn ich ganz nah bei mir bin. Wenn ich nicht das kleinste Bissschen über das drüber bin, was für mich gut ist. Frei bin ich immer, wenn ich gut mit mir bin und in Kontakt mit mir bin. Wenn ich spüre, wie weit kann ich gehen, und wenn ich mich traue, dafür einzustehen. Wenn ich mir erlaube, wirklich ich zu sein, auch meine Widersprüche zuzulassen, dann bin ich frei.

Der glücklichste Moment in meinem Leben war, als …..

im Leben? Das wär zu viel. Im letzten Jahr:

Als ich etwas fühlen konnte, was ich schon lange wusste und es noch nicht so richtig integriert hatte, nämlich dass ich von außen nichts brauche. Allein mit mir bin ich total gut. Das war ein Befreiungsschlag, als die Suche im Außen aufgehört hat. Und das hält bis jetzt an: Ich weiß, ich kann allein mit mir total gut zurecht kommen. Egal, was passiert: Ich komm immer erst einmal zu mir.

(Das kenne ich richtig gut und auch die Entdeckung, wenn dieses Wissen aus dem Kopf ins Gefühl rutscht. Yeah!)

Wenn du einen Tag lang Millionärin sein könntest, was würdest du tun, wenn du das Geld nicht sparen darfst?

Wahrscheinlich würde ich einen halben Tag darüber grübeln, wie ich das Geld sinnvoll, vernünftig und gerecht ausgeben könnte.

(Wir lachen beide und ich sage, dass wir das dann jetzt schon mal erledigen und sie vorbereitet ist, wenn die Million zu ihr kommt.)

Ich würde eine Winterhilfe für Obdachlose und Notleidende ins Leben rufen und sie so etablieren, dass sie sich potenziert und nachhaltig wirkt. Und ich würde 10 Leute anrufen, damit die mitdenken können, wie wir das gut umsetzen können.

Ich kann besonders gut, ….

Lösungen finden! Gibt es ein Problem, bleib ich nicht in dem Gefühl des Problems stecken, sondern mein Verstand fängt sofort an, zu überlegen, wie wir das lösen können. Und das reißt andere mit.

Welche Frau würdest du gerne einmal persönlich kennen lernen?

Das hab ich schon gemacht. Es gab eine Frau, die ich unbedingt kennen lernen wollte, und so habe ich einen Weg gefunden, sie auch tatsächlich privat kennen zu lernen.

Jetzt wird’s erotisch! Was macht dir an Erotik am meisten Freude?

Das Spiel!

(Das ruft sie begeistert, klar und schnell aus. Bei allen anderen Fragen lässt sie sich mit der Antwort oft viel Zeit und horcht in sich hinein.)

Wenn dein Leben einen Titel hätte – wie bei einem Buch – wie lautet er?

(Nach einer halben Ewigkeit der Stille sagt sie lachend

Ich ruf mal meinen Verlag an!

Den richtigen Titel zu finden, ist schwierig. Er soll vermitteln, worum es geht – auf der Verstandsebene und auf der Gefühlsebene ansprechen.

(Da spricht die Autorin in ihr.)

Heimwärts …. vielleicht. Oder Ichwärts … Wenn mir in den kommenden Wochen noch was einfällt, mail ich ihn dir.

Screenshot Ina RudolphWir lachen viel und es ist definitiv das längste Interview bisher. Sie hat viel zu sagen, viel zu erzählen. Was mich beeindruckt, ist die Fülle, die da aus ihr heraussprudelt. Und dass sie sich immer wieder die Zeit nimmt, um in Resonanz mit meinen Fragen zu gehen. Es muss nicht immer sofort eine Antwort kommen, lerne ich dabei, es darf auch Zeit brauchen – sehr viel Zeit in Inas Fall. Das gefällt mir.

Danke dir, liebe Ina, dass du dir bei all der vielen Arbeit, die du durch deine aktive Hilfe für Flüchtlinge gerade hast, die Zeit für dieses Interview genommen hast.

INA RUDOLPH, www.inarudolph.de

(interviewt von Sabine Krink)

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