Friederike Pfeiffer-de Bruin – Geburtsbegleitung mit maximaler Selbstbestimmung

Friederike Doula OldenburgSie ist Doula in Oldenburg. Friederike Pfeiffer-de Bruin (34 Jahre) begleitet schwangere Frauen und Paare dabei, ihren ganz eigenen Weg in der Schwangerschaft und mit der Geburt zu gehen. Sie gibt und hält den Raum, damit Frauen sich vertrauensvoll auf ihre eigene Kraft einlassen und auf ihre Weise erfüllend, kraftvoll und mit spiritueller Präsenz die Geburt leben können.

 

Friederike ist eine von circa 200 ausgebildeten Doulas in Deutschland. Der Wunsch von Frauen, andere Wege in der Geburtsbegleitung zu suchen, als nur durch die Unterstützung einer Hebamme und eines Arztes wird immer größer. Schwangere möchten zunehmend die Schwangerschaft und Geburt als eine sinnliche Erfahrung und als tiefes spirituelles Erlebnis wahrnehmen. Dabei begleitet Friederike sie durch Gespräche, Coaching, Wohlfühlbehandlungen, Rituale und Zeremonien und vor allem durch ihre beeindruckende, sanfte, wissende Persönlichkeit.

 

Warum liegt dir dieses Projekt so sehr am Herzen?

Ich wollte schon als kleines Kind Hebamme werden und habe das mit 19 Jahren auch versucht, aber daraus wurde nichts. Dann bin ich viel gereist, um in Holland zu landen. Trotz meiner Unfruchtbarkeitsdiagnose wurde ich dort schwanger. Das war für meinen Mann und mich überraschend und für ihn eine zu große Belastung. Wir bekamen das Kind zwar gemeinsam, aber haben uns dann getrennt. Da ich nie ein Einzelkind wollte, hab ich ja gesagt, als ein guter Freund von mir mir eine Idee vorschlug: Wir wollten ein Kind bekommen, nicht als Beziehungspaar. Da war meine Tochter 3 Jahre und ich seit 4 Monaten getrennt. Ich bin sofort schwanger geworden, aber als mein guter Freund eine richtige Familie mit mir gründen wollte, wurde mir mulmig.

Ich war enorm verunsichert, weil meine Schwangerschaft kein Kind aus einer Liebesbeziehung war und habe mir Hilfe gesucht. Das war eine großartige Frau, eine Doula, von der es in Holland schon viel mehr gibt als in Deutschland. Mir wurde so viel Verständnis und Seinlassen entgegengebracht, dass ich eine ganz tolle Geburt erlebt habe. Durch das Coaching der Doula habe ich Frieden und Platz mit diesem Kind, meinem Sohn, gefunden. Jetzt geht es mir richtig gut, nach einigen Herausforderungen auch in der Elternbeziehung zu seinem Vater.

Als ich nach Deutschland gezogen bin, habe ich mich nach einer Ausbildung als Doula erkundigt und diese Weiterbildung gemacht.

Ich möchte Frauen bestärken, ganz eigene Wege zu gehen. In jeder Geschichte, die von außen noch so schwer aussieht, ist ein Zugang möglich, um in die eigene Kraft zu kommen. Ich möchte eine Doula sein, die den Schlüssel bereithält, die den Raum gibt und hält, damit die Frau selbstbestimmt in ihre Kraft gehen kann. 

 

(Ich gebe diese lange Antwort hier bewusst so ausführlich wieder, weil es mir enorm wichtig ist, solche nonkonformen Beispiele zu zeigen. Das Leben ist auf viele Weisen „rund“ – auch, was die Themen Kinder gebären, schwanger werden und sein, Mutter werden und Mutter sein anbetrifft. Es gibt nicht nur den Papa-Mama-Kind-Weg der harmonischen Kleinfamilie, sondern zahlreiche Wege, um glücklich schwanger, kraftvoll in der Geburt und glücklich mit Kindern zu sein. Friederikes Weg ist einer davon. Ein außergewöhnlicher und ich danke ihr für ihren Mut, sich hier im Interview damit zu zeigen.

Anfang Mai 2016 hat sie übrigens ihren Herzensmann geheiratet.)

 

Was fällt dir aktuell am schwersten und was am leichtesten, wenn du dich mit deinem Herzensprojekt sichtbar machst?

Schwer fällt es mir, wenn ich merke, dass die Doula so unbekannt ist und viele Hebammen voreingenommen sind. Es liegt mir am Herzen, in Frauengemeinschaften zusammen mit Hebammen Geburtsbegleitung zu machen. Viele Hebammen fühlen sich bedroht und haben Angst, dass wir Doulas ihnen den Job wegnehmen. Das Konkurrenzgefühl ist oft hoch. Dabei sind wir Doulas nur so wenige und zudem kann ich pro Monat nur eine Frau begleiten. Dazu habe ich mich verpflichtet. Und: Es ist genug Platz da für alle.

Leicht fällt es mir, von meiner Arbeit zu erzählen und von der Kraft, die frei wird, wenn sich Frauen verbinden, von Frauenkörpern und -seelen zu reden und zu schwärmen. Allein in der Geburt zeigt sich so ein Wunder an körperlichen Vorgängen. Das macht mir Freude.

 

(An dieser Stelle bekomme ich spontan Lust darauf, noch ein Kind zu kriegen, obwohl das nicht mehr geht, da ich in den Wechseljahren bin. Der Funke der Freude für das Gebären springt da so stark über, dass ich für einen Moment tatsächlich nochmal Mutter werden möchte. 😉 Ver-rückt.)

 

Ich bin schön. Wie geht es dir dabei, wenn du diesen Satz sagst?

Heute gut. Heute kann ich das aus ganzem Herzen sagen. Es gibt auch Tage, da fällt es mir schwer.

 

Was bedeutet Erfolg für dich?

Ein Gleichgewicht von dem, was ich tue, was mich erfüllt, UND wenn ich andere damit erreiche und auf Resonanz stoße UND dass ich mich damit finanzieren kann, dass es mir Raum gibt – auch materiellen.

 

Als du ein Kind warst, was hast du da besonders gern gemacht?

Beobachtet. Gesichter, Mimik, Sprache, Stimmmelodien, Menschen. Ich habe als Kind wenig gesprochen, viel gelesen und eben viel beobachtet.

 

Meine ganz große Stärke ist:

… urteilsfrei hören zu können. Und den Raum zu halten, es auch auszuhalten, wenn es dissonant ist.

 

Stell dir vor, du hättest keine Wohnung/kein Haus mehr und nur noch deine wichtigsten Dinge in 2 Koffern. Was macht das mit dir?

Fühlt sich an wie eine große Freiheit. Ich bin früher genau so losgezogen, bewusst mit 17/18. Und ich habe das seither immer wieder einmal gemacht, alles aufzugeben. Das hat mich näher in meine eigene Kraft gebracht.

 

Gibt es ein Buch, das dich besonders beeindruckt oder gar geprägt hat – wie lautet der Titel?

„Spiritual Midwifery“ von Ina May Gaskin. Das habe ich mit 18 gelesen und es hat mich beeindruckt, weil es da um die natürlichen und spirituellen Aspekte von Geburt geht und um die natürliche Kraft der Frau und wie sich diese entfaltet.

 

Wenn du den Leser/innen eine deiner wichtigsten Erkenntnisse mit auf den Weg geben darfst, welche ist das?

Es liegt alles in dir! Es braucht nichts von außen.

 

Friederike Doula HPIch fühle mich nach diesem Interview sehr berührt und auch sehr geehrt, dass sie mir als einer Frau, die sie nicht kennt, so viel erzählt hat. Ich achte und schätze ihr riesiges Vertrauen ins Leben, in die Kraft von Frauen und bin in Anbetracht des Wunders Geburt und Leben wieder einmal zutiefst seelenberührt.

 

Liebe Friederike, danke, dass du diesen Weg gehst und als Doula eine so wundervolle Arbeit in die Welt trägst. Und vielen Dank für deine Offenheit in diesem Interview. Es war wunderschön!

 

FRIEDERIKE PFEIFFER-DE BRUIN, http://www.doula-oldenburg.de

 

(interviewt von Sabine Krink)

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